Die aktuelle, weltweite und gesamtgesellschaftliche Krise bringt für jeden von uns viele Änderungen zur bisherigen Lebensweise. Schulen sind insbesondere betroffen, da der persönliche Kontakt zwischen Menschen hier sehr im Vordergrund steht. Deutschland ist ein modernes Land, in dem seit Jahren von Digitalisierung gesprochen wird – allerdings war die Notwendigkeit dazu bisher kaum gegeben. In Schulen konnte man Unterricht auch ohne digitale Medien gestalten. Diese Zeit ist (zumindest im Moment) vorbei. Natürlich wäre es jetzt möglich, Aufgaben per Post zu versenden und zu erhalten.

In Deutschland gibt es ungefähr 8,3 Millionen Schüler. Angenommen jeder Schüler erhält täglich einen Brief und sendet jede Woche einen Brief mit den bearbeiteten Aufgaben. Das wären ungefähr 10 Millionen Briefe – täglich. Bei ungefähr 18 Milliarden Briefen, die in Deutschland pro Jahr verschickt werden, macht das im Durchschnitt täglich 50 Millionen Briefe. Die 10 Millionen Briefe von und für Schüler würden dieses Aufkommen um 20% erhöhen. Dabei sollte betont sein, dass hier nur von einem Brief pro Schüler ausgegangen wird.

Allein aus logistischen Gründen spricht also viel dafür, die Digitalisierung an Schulen auszubauen, damit Phasen, wie die aktuelle, besser geschultert werden können.

Nun soll dieser Beitrag aber kein Plädoyer für Digitalisierung sein.

Das Internet ist aus der Sicht eines Lehrers Segen und Fluch zugleich. Fast das gesamte Wissen der Menschheit lässt sich in wenigen Sekunden abrufen und ist (bis auf wenige Ausnahmen) frei und kostenlos verfügbar. Für einen Menschen, der vor 50 Jahren gelebt hat, muss das wie Utopie geklungen haben. Es ist ein Segen, nicht mehr stundenlang in Enzyklopädien und Büchern blättern zu müssen, um Wissen zu erlangen. Was früher nur Gelehrte nach jahrelangem Studium erwarben, kann nun jeder Mensch binnen weniger Sekunden lernen. Warum also nutzen Menschen diese unglaublichen Möglichkeiten zur Bildung nicht?

Weil das Internet auch ein Fluch ist. Neben den Bildungsinhalten besteht das World Wide Web nunmal hauptsächlich aus Unterhaltungsangeboten. Das menschliche Gehirn ist anfällig für schnelle Belohnung. Warum sollte man sich also durch schwere Bildungsangebote quälen, die frustrieren, weil man nicht sofort alles versteht? Es ist doch viel einfacher und schöner, eine neue Serie zu schauen, ein anderes Spiel zu spielen oder das aktuellste (Unterhaltungs-)YouTube-Video anzuschauen.

Das Internet bietet aber auch viele hervorragende Bildungsangebote. YouTube ist ein Beispiel für ein solches Bildungsangebot. Viele machen den Fehler und folgen den Algorithmen von Youtube zu immer neuen Dopaminquellen. YouTube kann aber auch anders: wenn man richtig sucht, findet man wertvolle Bildungsinhalte, die dem schulischen Unterricht oftmals in nichts nachstehen. Lehrer, Dozenten und interessierte Experten bemühen sich, verschiedenste Themen ansprechend dar- und vorzustellen. An dieser Stelle sei eine Warnung ausgesprochen: natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Deshalb sollte man YouTubeinhalte kritisch prüfen und mit anderen Quellen vergleichen. Oftmals sind solche Videos aber tatsächlich gut recherchiert und inhaltlich korrekt.

Darüber hinaus gibt es ausgeschriebene Bildungsseiten, die ebenfalls verständlich und schülerfreundlich Inhalte vermitteln. Die Kunst liegt darin, sein Gehirn zu überlisten und das Internet als Lehr- und Lernmedium zu verwenden. Man muss nur die richtigen Fragen zu stellen und die Angebote nutzen. Wer nicht gerne liest, sollte auf Erklärvideos zurückgreifen. Wer gerne im Bett liegt und zuhört, kann Hörbücher oder Podcasts anhören. Wer kein Struktur besitzt , nutzt kostenlose Bildungsseiten, die eine gewisse Struktur vorgeben. Das Internet steckt voller (Bildungs-)Chancen. Es liegt an jedem selbst, ob er sie nutzt.

Das Gehirn ist ein Muskel*, der verkümmert, wenn er nicht genutzt wird.

*natürlich besteht das Gehirn nicht aus Muskelzellen, sondern aus Nervenzellen. Der Vergleich Gehirn – Muskel ist eine Analogie, die veranschaulichen soll, dass man sein Gehirn „trainieren“ kann. Das Ziel ist es, das neuronale Netz des Gehirns mit möglichst vielen Synapsen zu verknüpfen. Stellt man sich das Gehirn wie die Infrastruktur eines Landes vor, dann sind häufig genutzte Areale mit Autobahnen verknüpft, während ungenutzte Bereiche zu Feldwegen verkümmern. Je besser ein Gehirn „trainiert“ ist, desto mehr Autobahnen und gut ausgebaute Landstraßen gibt es.

– DB

 

Hier

haben wir ein Sammelsurium an Lernangeboten im Internet für Sie zusammengestellt.