Chemie ist das, was knallt und stinkt – aber Chemie ist auch das, was duftet, leuchtet, wärmt und schmeckt. Leider wird die Naturwissenschaft Chemie zu oft negativ assoziiert: sie sei giftig und gefährlich – so die Ansicht. Den Zusatz „da ist Chemie drin“ gebrauchen nicht wenige Menschen als Synonym für Schädlichkeit, Giftigkeit oder Toxizität. Was dabei unterschlagen wird ist, dass Chemie eigentlich überall „drin“ ist. Ein ökologisch-organischer Reiniger? Da ist Chemie drin! Das Pausenbrot aus Biogetreide mit Käse von glücklichen Kühen? Da ist Chemie drin! Die morgendliche Dusche mit dem angenehm duftenden Kokosduschbad? Da ist auch Chemie drin.

Chemie ist weit mehr als das Bild der chemischen Industrie mit ihren hohen Metalltürmen und manchmal giftigen Produkten. Chemie ist die Naturwissenschaft, die sich mit den Eigenschaften, der Struktur und den Umwandlungen von Stoffen beschäftigt. Sie hinterfragt die Prozesse, die an der Bildung von Substanzen beteiligt sind und ergründet, wie die Bausteine der Natur zusammengesetzt sind. Natürlich sind auch giftige Stoffe. Durch Chemie können wir aber giftiges, stinkendes und gefährliches zu duftendem, gesundem und sicherem umformen. Ohne chemische Prozesse gibt es weder Bier noch Wein, keinen Käse, kein Brot. Backen und kochen sind Chemie. Nicht umsonst gibt es seit einigen Jahren einen Trend, die Techniken aus einem chemischen Labor in der Küche einzusetzen. Die sogenannte Molekularküche verwendet viele Arbeitsweisen, die auch ein Chemiker im Labor verwendet.

In der Schule ist es Aufgabe des Chemieunterrichts, den Schülerinnen und Schülern eine Vorstellung von der Materie zu vermitteln, einen Einblick in die Bausteine der Natur zu gewähren, der ihnen ansonsten verschlossen bliebe. In Schülerexperimenten können unsere Schülerinnen und Schüler selbstständig erfahren, was es bedeutet, als Chemiker/in zu arbeiten.

Chemie hat, wie die anderen Naturwissenschaften auch, den Ruf, sehr theoretisch und schwer verständlich zu sein. Dieser Ruf hat durchaus seine Berechtigung, da theoretische Grundlagen zum Verständnis vieler Prozesse (chemische Reaktionen) nötig sind. Dennoch hat der Chemieunterricht eine große praktische Komponente. Ob die Schüler/innen nun selbst experimentieren oder bei Demonstrationexperimenten zusehen – sie erfahren die Naturwissenschaft aus erster Hand mit ihren Sinnen.

Die Chemie hat eine Jahrhunderte alte Tradition und die Umwandlung oder Veredelung von Stoffen war ein lange gehegter Menschheitstraum. Alchemisten suchten lange Zeit nach dem Stein der Weisen, um aus gewöhnlichen Metallen das edle Gold herzustellen. Ohne Wissen über Chemie könnte es Scharlatanen sogar gelingen, den Laien davon zu überzeugen, dass dies tatsächlich gelingt. Einem erfahrenen Chemiker kann diese Täuschung aber rasch aufklären. Es ist das Ziel des Chemieunterrichts, Schülerinnen und Schülern die Fähigkeiten zu vermitteln, kritische Fragen zu stellen und in unserer heutigen Welt den Schein vom Sein zu trennen. Ohne naturwissenschaftliche Grundbildung wäre das nicht oder nur schwer möglich.

Wir leben tatsächlich in einer magischen Welt. Diese Magie ist aber alles andere als unerklärlich und beruht oft auf simplen naturwissenschaftlichen Grundprinzipien.